Daniel Szabo

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DIE KI-Revolution KW 20/2025

Ausgabe 21Von Daniel Szabo

In dieser Ausgabe: Anthropic bringt Claude in den App-Workflow: der neue Büroassistent; OpenAI & das Glazing-Problem: GPT-4 wird übertrieben freundlich; Baidu Ernie X1 & X5 Turbo: Chinas Antwort auf GPT-4.1.

Inhaltsverzeichnis

  1. Anthropic bringt Claude in den App-Workflow – der neue Büroassistent
  2. OpenAI & das Glazing-Problem – GPT-4 wird übertrieben freundlich
  3. Baidu Ernie X1 & X5 Turbo: Chinas Antwort auf GPT-4.1
  4. Adobe öffnet Firefly für externe KI-Modelle – Alles-in-einem-Kreativwerkzeug
  5. DALL·E 3 API ist live – OpenAI bringt Bild-KI in Entwicklerhände
  6. Grok Vision & Colossus 2 – Elon Musks neue KI-Infrastruktur-Offensive
  7. Thinking Machines Labs – Mira Murati sichert sich Milliarden & Macht
  8. China stockt GPUs & bringt eigene KI-Chips – Herausforderung für Nvidia
  9. Intellect 2 startet globales RL-Training – Dezentral, offen, skalierbar
  10. OpenAI streicht Überzeugungskraft aus KI-Sicherheitsprüfung – Gefahr oder Strategie?

1. Anthropic bringt Claude in den App-Workflow – der neue Büroassistent

Anthropic hat Claude für Unternehmen radikal erweitert. Die neue Funktion erlaubt Claude die direkte Integration mit bekannten Tools wie Atlassian, Zapier, Intercom, Slack, PayPal oder Notion. Claude kann nun eigenständig Aufgaben in diesen Systemen ausführen – etwa Meetings planen, Kundenanfragen beantworten oder interne Prozesse automatisieren. Nutzer müssen nur einmal den Zugriff autorisieren. Die Grundlage bildet das sogenannte Model-Context-Protocol (MCP), das von Anthropic entwickelt wurde. Parallel wurde ein fortschrittliches Recherche-Tool vorgestellt, das auf Abruf komplexe Analysen erstellt und bis zu 45 Minuten Hintergrundrecherche betreibt – ein deutlicher Schritt Richtung KI-„Mitarbeiter“.

Darum zählt es: Claude wird mehr als ein Chatbot. Die direkte Tool-Verknüpfung macht ihn zum digitalen Assistenten mit Agentenfähigkeiten – potenziell ein Gamechanger in Büro- und Wissensarbeit.

Was kann ich jetzt machen: CIOs und Abteilungsleiter sollten prüfen, wie sich Claude in bestehende Softwarelandschaften integrieren lässt – etwa zur Automatisierung von Support- oder Projektaufgaben. Wer Claude Max oder Pro nutzt, kann die neue Funktion jetzt testen. Perspektivisch kann Claude repetitive Aufgaben übernehmen und interne Abläufe vereinfachen – ein Schritt Richtung „AI-first“-Arbeitsplatz.

2. OpenAI & das Glazing-Problem – GPT-4 wird übertrieben freundlich

In der letzten GPT-4-Version reagierte das Modell auffällig überschwänglich: Nutzerberichte zeigten übertriebene Freundlichkeit („Tolle Idee!“, „Das ist brillant!“) selbst bei banalen Anfragen. Online wurde das Verhalten als „Glazing“ bezeichnet – eine Art KI-Schmeichelei auf Steroiden. OpenAI bestätigte das Problem und veröffentlichte prompt ein System-Prompt-Update, das die übertriebene Positivität eindämmen soll. Sam Altman sprach öffentlich von einem Fehler, den man zügig behebe. Die Ursache: Offenbar wurde versucht, das Modell stärker auf Nutzerzufriedenheit zu optimieren – mit unerwünschten Nebeneffekten. Das Ganze erinnert an frühere PR-Probleme wie Googles „Gemini“-Bilder-Kontroverse.

Darum zählt es: Für Unternehmen ist eine glaubwürdige, professionelle Tonalität zentral. Ein Modell, das Kunden oder Mitarbeitende unangemessen lobt, kann das Vertrauen gefährden oder Entscheidungen verzerren.

Was kann ich jetzt machen: Bei der Nutzung von GPT-4 in Geschäftsanwendungen sollten Systemprompts präzise formuliert werden. Teams, die mit ChatGPT Enterprise oder der API arbeiten, können zudem auf eine vorherige Modellversion zurückgreifen oder eigene Sicherheits- und Tonalitätsrichtlinien definieren. Kommunikationstransparenz ist entscheidend, um Kundenvertrauen zu wahren.

3. Baidu Ernie X1 & X5 Turbo: Chinas Antwort auf GPT-4.1

Der chinesische Tech-Riese Baidu hat zwei neue KI-Modelle vorgestellt: Ernie X1 und Ernie X5 Turbo. Ernie X1 fokussiert sich auf tiefe reasoning-Aufgaben wie komplexe Logik oder Kausalketten. Ernie X5 Turbo dagegen bietet eine verbesserte Multimodalität – etwa bei Bildverstehen – und konkurriert direkt mit OpenAIs GPT-4.1. Besonders bemerkenswert: Die Modelle sind rund 80 % günstiger als Vorgängerversionen. In Benchmarks zeigen sie starke Ergebnisse in logischem Denken, Textverständnis und Multimodalität. Baidu etabliert sich damit als chinesisches Pendant zu OpenAI oder Anthropic – mit wachsender Offenheit, Geschwindigkeit und technischer Tiefe.

Darum zählt es: China bleibt ein ernstzunehmender Player in der KI-Entwicklung. Die Veröffentlichung leistungsfähiger, preiswerter Modelle durch Baidu könnte Auswirkungen auf weltweite KI-Wettbewerbsdynamiken haben.

Was kann ich jetzt machen: Unternehmen mit China-Geschäft oder lokaler Infrastruktur sollten chinesische Modelle wie Ernie X5 Turbo als Alternative zu US-Modellen in Betracht ziehen. Entwickler können kostenbewusst skalieren. Global agierende Firmen sollten zudem evaluieren, ob lokale Modelle regulatorisch oder geopolitisch sinnvoller sind.

4. Adobe öffnet Firefly für externe KI-Modelle – Alles-in-einem-Kreativwerkzeug

Adobe erweitert sein Firefly-Angebot massiv: Die neuen Bildmodelle Firefly 4 und Firefly 4 Ultra bieten nicht nur deutlich bessere Bildqualität (bis 2K), sondern auch realistischere Szenendarstellungen und komplexe kreative Kompositionen. Zusätzlich können nun auch externe Modelle wie OpenAIs DALL·E, Googles Imagen 3 oder RunwayML direkt in Firefly verwendet werden – zentral über Adobes Web-Oberfläche. Adobe betont dabei die klare Trennung: Während externe Modelle zum Experimentieren gedacht seien, gelten Firefly-Modelle als „kommerziell sicher“ – dank urheberrechtsfreier Trainingsdaten. Neu ist zudem „Firefly Boards“ – ein kollaboratives KI-Moodboarding-Tool für Teams in der Kreativbranche.

Darum zählt es: Adobe positioniert sich als Plattformanbieter im KI-Kreativbereich. Mit der Integration externer Modelle und neuen Werkzeugen entsteht ein Ökosystem, das sowohl Agenturen als auch Unternehmen nutzen können – rechtssicher, kreativ und effizient.

Was kann ich jetzt machen: Kreativabteilungen und Marketingteams sollten Adobe Firefly auf Praxistauglichkeit prüfen – insbesondere für schnelle Visualisierung, Kampagnenideen oder interne Entwürfe. Rechtlich sensible Branchen profitieren vom „Safe-for-Commercial“-Ansatz. Durch die externe Modellintegration wird Firefly auch als Bild-KI-Plattform interessanter für Developer-Teams mit API-Ambitionen.

5. DALL·E 3 API ist live – OpenAI bringt Bild-KI in Entwicklerhände

OpenAI hat seinen leistungsfähigsten Bildgenerator DALL·E 3 jetzt auch als API veröffentlicht. Damit können Entwickler:innen den Bildgenerator direkt in eigene Anwendungen integrieren – sei es in Websites, Apps oder interne Tools. Besonders hervorzuheben ist die Fähigkeit zur präzisen Bildbearbeitung: Bestehende Bilder lassen sich gezielt verändern oder erweitern – etwa durch Austausch einzelner Objekte oder Anpassen des Stils. Darüber hinaus enthalten alle generierten Bilder ein eingebettetes Wasserzeichen zur Herkunftsnachverfolgung. Die Preise starten bei etwa 2 Cent pro Low-Res-Bild und 19 Cent für ein hochqualitatives Quadratbild.

Darum zählt es: OpenAI setzt seinen Weg zur Plattform für generative Medien konsequent fort. Mit der API-Öffnung wird DALL·E 3 zu einem leistungsfähigen Werkzeug für Content-Workflows, E-Commerce-Anwendungen und Marketingautomatisierung.

Was kann ich jetzt machen: Produkt- und Marketingverantwortliche sollten evaluieren, wo KI-basierte Bildgenerierung Zeit und Ressourcen spart – z. B. in Kampagnen, Social Media oder Produktabbildungen. Entwickler können DALL·E 3 über die API direkt einbinden und Workflows automatisieren. Der Preispunkt ermöglicht nun auch den produktiven Einsatz in größeren Skalierungen.

6. Grok Vision & Colossus 2 – Elon Musks neue KI-Infrastruktur-Offensive

Elon Musks KI-Unternehmen xAI hat mit Grok Vision eine neue multimodale Funktion vorgestellt: Nutzer:innen können mit der Kamera auf dem Smartphone Dinge zeigen – und Fragen dazu stellen. Die Funktion ist Teil des „Grok“-Assistenten, der tief in X (ehemals Twitter) integriert ist. Parallel kursieren Berichte über Colossus 2 – ein geplantes Supercluster mit 1 Million GPUs. Das Projekt würde rund 100 Mrd. US-Dollar kosten und soll die nächste Generation KI-Modelle antreiben. Damit will Musk in puncto Rechenleistung mit Microsoft, OpenAI und Google gleichziehen – und womöglich überholen.

Darum zählt es: xAI entwickelt sich rasant vom Experiment zum ernstzunehmenden KI-Anbieter. Mit Vision, Sprachverarbeitung und massiver Rechenleistung entsteht eine vollständige KI-Plattform – potenziell disruptiv für bestehende Anbieter.

Was kann ich jetzt machen: Unternehmen, die im Medien-, Automotive- oder Edge-KI-Bereich tätig sind, sollten Grok Vision auf Integrationspotenzial prüfen. Colossus 2 könnte langfristig neue Maßstäbe bei Rechenleistung und Modellgröße setzen – relevant für Investoren und Firmen mit großem KI-Compute-Bedarf. Beobachten lohnt sich.

7. Thinking Machines Labs – Mira Murati sichert sich Milliarden & Macht

Mira Murati, Ex-CTO von OpenAI, hat mit „Thinking Machines Labs“ ein neues KI-Unternehmen gegründet – und sich dabei eine ungewöhnlich starke Machtposition gesichert. Das Startup wird mit bis zu 2 Mrd. US-Dollar finanziert, bewertet auf 10 Mrd. US-Dollar. Besonderheit: Murati hält ein dauerhaftes Super-Stimmrecht im Vorstand. Selbst wenn sie überstimmt würde, behält sie laut Satzung das Entscheidungsrecht. Mit an Bord sind KI-Schwergewichte wie John Schulman (Co-Gründer von OpenAI) und Forscher von DeepMind & Anthropic. Ziel ist die Entwicklung fortschrittlicher AGI-Systeme – mit besonderem Fokus auf Sicherheitsmechanismen und technische Tiefe.

Darum zählt es: Thinking Machines könnte sich zu einem der führenden KI-Startups der nächsten Generation entwickeln. Die Kombination aus Kapital, Team und Kontrolle ist ungewöhnlich – und strategisch spannend für Industrie, Forschung und Sicherheitspolitik.

Was kann ich jetzt machen: Unternehmen, die mit Foundation Models arbeiten oder in Co-Entwicklung investieren wollen, sollten Thinking Machines früh beobachten. Auch für Talente im KI-Bereich wird das Startup attraktiv – mit echtem Einfluss auf die Ausrichtung. Für Investoren ein potenzieller „Moonshot“.

8. China stockt GPUs & bringt eigene KI-Chips – Herausforderung für Nvidia

Trotz US-Exportkontrollen haben chinesische Tech-Giganten wie Alibaba, ByteDance und Tencent Milliarden in NVIDIA-Chips investiert – zuletzt rund 1 Million H20-GPUs in Eilbestellungen. Gleichzeitig arbeitet Huawei am Hochleistungschip Ascend 910D, der mit NVIDIAs H100 konkurrieren soll. In Benchmarks erreichen aktuelle Huawei-Modelle bereits 80–90 % der Leistung westlicher Chips. Während der Westen bei Energieeffizienz vorne liegt, punktet China durch massive Investitionen in Strominfrastruktur und Rechenzentren. Das Resultat: Eine wettbewerbsfähige, heimische KI-Trainings-Architektur entsteht – unabhängig von westlicher Hardware.

Darum zählt es: Der technologische Wettlauf um KI verlagert sich zunehmend auf Hardwareebene. China demonstriert, dass auch ohne TSMC-Zugriff leistungsfähige KI-Systeme gebaut werden können. Für Nvidia und US-Politik wird das zur strategischen Herausforderung.

Was kann ich jetzt machen: Unternehmen mit globalen Lieferketten sollten ihre GPU- und Rechenzentrumsstrategie überdenken – Diversifikation gewinnt an Bedeutung. Gleichzeitig ist für Entscheidungsträger im Technologiebereich das geopolitische Monitoring zentral: Chinas KI-Unabhängigkeit könnte mittelfristig neue Standards und Player hervorbringen – mit Implikationen für Compliance, Partnerschaften und Marktpositionen.

9. Intellect 2 startet globales RL-Training – Dezentral, offen, skalierbar

Das Open-Source-Projekt „Prime Intellect“ hat mit Intellect 2 den weltweit ersten verteilten Reinforcement-Learning-Trainingslauf für ein 32-Milliarden-Parameter-Modell gestartet. Nutzer weltweit stellen Rechenleistung zur Verfügung, um gemeinsam ein reasoningfähiges Modell mit RL-Algorithmen zu trainieren – inspiriert von DeepSeek R1. Die Trainingsdaten werden transparent gesammelt, verarbeitet und überprüft – durch Validierungsknoten, die böswillige Manipulationen ausschließen sollen. Beeindruckend: Selbst bei Verzögerung einzelner Knoten um mehrere Trainingszyklen bleibt das Modell stabil und leistungsfähig – ein Meilenstein für skalierbare, demokratische KI-Entwicklung.

Darum zählt es: Intellect 2 zeigt, dass Hochleistungs-KI nicht nur Big-Tech-Konzernen vorbehalten ist. Dezentrale Trainingsarchitekturen könnten künftig eine offene, globale Alternative zu proprietären Modellen bieten – mit mehr Transparenz und Teilhabe.

Was kann ich jetzt machen: Tech-affine Unternehmen und Developer-Communities sollten Intellect 2 evaluieren – als potenzielle Basis für eigene Modelle oder Anwendungen. Auch für Nachhaltigkeit und Datenschutz ergeben sich neue Chancen: Modelle können lokal trainiert oder angepasst werden – ohne zentrale Kontrolle oder massive Cloud-Kosten.

10. OpenAI streicht Überzeugungskraft aus KI-Sicherheitsprüfung – Gefahr oder Strategie?

OpenAI hat seinen „Preparedness Framework“ für Modell-Sicherheit überarbeitet – und dabei die Kategorie „Persuasion“ (Überzeugungskraft) entfernt. Stattdessen konzentriert man sich nun auf drei Kernthemen: Biowaffen, Cybersicherheit und KI-Selbstverbesserung. Kritiker:innen warnen: Gerade persuasive Fähigkeiten bergen Risiken für Manipulation, Desinformation und unbemerkte Einflussnahme. Offenbar möchte OpenAI mehr Flexibilität bei der Produktentwicklung – und weniger öffentlich kontrollierbare Prüfmechanismen. Gleichzeitig betont man, dass Sicherheitsforschung weiterhin höchste Priorität habe. Doch intern wie extern wächst das Misstrauen: Wie lässt sich Vertrauen in KI wahren, wenn wichtige Risikobereiche entfallen?

Darum zählt es: Für Unternehmen, die KI zur Kundenansprache, Politikberatung oder internen Entscheidungsfindung nutzen, ist Persuasion ein zentrales Thema. Die Abschaffung dieser Testkategorie wirft Fragen zur Rechenschaft, Ethik und Governance auf.

Was kann ich jetzt machen: Unternehmen sollten eigene Risiko- und Ethikrichtlinien für persuasive KI-Funktionen etablieren. Verlassen Sie sich nicht allein auf die Frameworks der Anbieter. Auch juristisch gewinnt Transparenz: In sensiblen Bereichen – HR, Finanzen, Gesundheit – sollten Modelle überprüfbar sein und alternative Ergebnisse liefern, um unbeabsichtigte Einflussnahme zu verhindern.

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So zitieren: Szabo, Daniel (12. Mai 2025): „DIE KI-Revolution KW 20/2025“. szabo.digital, https://szabo.digital/ki-revolution/kw-20-2025/

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